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Bundestagswahl: Mehr als zwei Drittel: AfD-Hochburg in Jämlitz-Klein Düben
In einigen Gemeinden Brandenburgs fährt die AfD bei der Bundestagswahl erdrutschartige Siege ein. Insbesondere im Süden des Landes ist die Partei eine Macht. Die Wahlbeteiligung erreicht
Rekordniveau.
24.02.2025, 13:01 Uhr
Die AfD hat in Brandenburg neun von zehn Wahlkreisen gewonnen - fast überall mit sattem Vorsprung. Die SPD konnte in Potsdam einen kleinen Vorsprung über die Ziellinie retten. 2021 gewann die
Partei noch alle Wahlkreise. Ein Blick auf die Höchstwerte innerhalb der Brandenburger Gemeinden.
AfD: Mit Blick auf die Zweitstimme fährt die AfD in Jämlitz-Klein Düben (Landkreis Spree-Neiße) ihr stärkstes Ergebnis ein. In der Gemeinde im Süden Brandenburgs kam die Partei auf 69,2
Prozent - der höchste Zweitstimmenwert in einer Gemeinde in ganz Brandenburg. Die wenigsten Zweitstimmen erhielt die AfD in Kleinmachnow (Landkreis Potsdam-Mittelmark) im Berliner
Speckgürtel mit 11,5 Prozent. Bereits bei der Landtagswahl 2024 hatte die Partei in Kleinmachnow (11,5 Prozent) den niedrigsten Zweitstimmenwert erreicht. Insgesamt kommt die Partei in
Brandenburg auf 32,5 Prozent der Zweitstimmen.
SPD: Die SPD ist einer der großen Verlierer dieser Wahl in Brandenburg. Gewann sie bei der Bundestagswahl 2021 noch alle zehn Direktmandate, bleibt der Partei mit Blick auf die Erststimmen nur
noch der Wahlkreis in der Landeshauptstadt Potsdam. Den höchsten Anteil der Zweitstimmen erreichte die SPD in der Gemeinde Planetal (Landkreis Potsdam-Mittelmark) mit 21,8 Prozent.
Besonders schlecht schnitt die Partei in Hirschfeld (Landkreis Elbe-Elster) ab. Dort kam sie auf schlappe 4 Prozent. Im gesamten Bundesland landet die Partei bei 14,81 Prozent der Zweitstimmen.
CDU: Kein einziger CDU-Direktkandidat konnte sich in Brandenburg durchsetzen. Ihr bestes Zweitstimmenergebnis auf Gemeindeebene fuhr die Partei in diesem Jahr in Großbeeren (Landkreis
Teltow-Fläming) mit 30,5 Prozent ein. In der Gemeinde Jämlitz-Klein Düben (Landkreis Spree-Neiße) gaben nur 6,9 Prozent der Wählenden der CDU ihre Zweitstimme. Im gesamten Land gaben
18,09 Prozent der Wähler der CDU ihre Stimme.
BSW: Das Bündnis Sahra Wagenknecht schafft es nicht in den Bundestag. In Brandenburg erreichte das BSW in vielen Gemeinden zweistellige Zweitstimmenwerte. Die höchste Zustimmung erhielt
die junge Partei in der Gemeinde Boitzenburger Land (Landkreis Uckermark) mit 16 Prozent. Die wenigsten Zweitstimmen gaben die Wähler dem BSW in Goßderschau im Landkreis Havelland. In
Brandenburg kommt das BSW auf 10,7 Prozent der Zweitstimmen.
Grüne: Die Grünen haben in Brandenburg in einigen Regionen - insbesondere im Süden des Bundeslandes - einen schweren Stand. Ihre höchste Zustimmung erfuhr die Partei in Kleinmachnow
(Potsdam-Mittelmark) mit 19,9 Prozent der Zweitstimmen. In den Gemeinden Jämlitz-Kleindüben (Landkreis Spree-Neiße) und Schilda (Landkreis Elbe-Elster) erhielt die Partei 0 Prozent der
Stimmen. Runtergerechnet auf Brandenburg erhalten die Grünen 6,59 Prozent der Zweitstimmen
Linke: Die Linke gehört zu den Siegern dieser Bundestagswahl - auch in Brandenburg. Die Partei kam auf 10,7 Prozent der Zweitstimmen. Am besten lief es für die Partei in Potsdam mit 17,6
Prozent der Zweitstimmen. In Drehnow (Landkreis Spree-Neiße) fuhr die Linke mit 3 Prozent mit Blick auf die Gemeinden ihr schlechtestes Ergebnis ein.
Die Wahlbeteiligung in Brandenburg lag bei dieser Bundestagswahl bei 81,5 Prozent. Das sind 5,9 Prozent mehr als bei der Bundestagswahl 2021. Laut Landeswahlleiter Josef Nußbaum ist dies „die
höchste Wahlbeteiligung bei Bundestagswahlen seit Bestehen des Landes Brandenburg“.
Die höchste und die niedrigste Wahlbeteiligung in Brandenburg finden sich beide im Landkreis Potsdam-Mittelmark. So gingen in Kleinmachnow 89,9 Prozent der Wahlberechtigten zur Wahl. Am
niedrigsten lag die Wahlbeteiligung in Gräben mit 44,0 Prozent.
Das ist eine Nachricht direkt aus dem dpa-Newskanal.
Jämlitz-Klein Düben ist AfD-Hochburg
„Wir sind ja nicht von Dummsdorf, so wie das immer dargestellt wird", sagt Steffen Marko aus Jamlitz-Klein Düben. Der Ofenbaumeister hat bei der Bundestagswahl die AfD
gewählt.
Es sind zwei Dörfer im äußersten Süden Brandenburgs, auf der einen Seite von Polen, auf der anderen von Sachsen begrenzt. Viel Wald, weniger als 440 Einwohner. Von
ihnen haben so viele zur jüngsten Bundestagswahl die Alternative- für Deutschland gewählt, wie nirgendwo sonst im Land: 69,2 Prozent. In der kleinste Gemeinde im
Landkreis Spree-Neiße, der zum Wahlkreis 64 (Cottbus/Spree-Neiße) gehört, ist das Vertrauen in die Politik der demokratischen Mitte gering.
Warum?
Zur Landtagswahl im Juni 2024 hat die AfD-in der Gemeinde Jämlitz-Klein Düben schon mehr als die Hälfte der Stimmen erhalten. Wenige Monate später zur
Bundestagswahl im Februar sind es nun mehr als zwei Drittel.
In Jämlitz gibt es schon lange keine Bäckerei und keinen Dorfladen mehr. Einige Unternehmer sind noch da." Unter' ihnen der Ofenbaumeister Steifen Marko, 57 Jahre alt. In
seinem großen und hellen Laden werden viele verschiedene Kammmodelle ausgestellt.
CDU überzeugt nicht mehr
Andere Einwohner und deren Abgeordnete in der Gemeindevertretung ziehen es
vor, nicht mit
den Medien zu sprechen. Steffen Marko will jedoch erklären, warum er die AfD
gewählt hat.
Gründe gibt es viele: Zwei Seiten Notizen hat er vorbereitet.
„Ich war früher CDU-Wähler" sagt der Handwerker. Vom CDU-
Landtagsabgeordneten Julian Brüning aus dem Landkreis Spree-Neiße zeigt er
sich
begeistert. „Aber die CDU hat im Landtag abgestimmt, dass Ausländer nicht
abgeschoben
werden", sagt er mit Blick auf die Ablehnung eines AfD-Antrags im -Januar (siehe
Infobox).
Ingolf Reimann, der Nachbar von gegenüber, hat ebenfalls .früher CDU gewählt.
Er war sogar
einmal leidenschaftliches Parteimitglied, Aber seit 2017 wählt er die AfD. Allein
mit seiner
Rente, nach eigenen Angaben 800 Eure, komme er nicht über die Runden.
Deshalb
arbeitet er noch mit seiner kleinen Firma für Dienstleistungen und Kläranlagen.
Er
beschäftigt drei Mitarbeiter.
„Die CDU hat uns in der Wendezeit schon einmal betrogen« Sie hat blühende
Landschaften
versprochen, und was ist daraus geworden?", fragt Ingolf Reimann. Seine Kinder
haben in der
Region Arbeit gefunden. Doch die Folgen der Abwanderung der jungen
Generation,
insbesondere der jungen Frauen, prägen das Dorf wie so viele ländliche
Gemeinden
im Osten.
Ärger über manche Ausländer
Die AfD macht gegen Migranten Wahlkampf, und das kommt bei Wählern im kleinen Dorf Jämlitz an. „Ich habe nichts gegen
Immigration
(Einwanderung d.R.). Wer Hilfe braucht, soll sie bekommen. Aber man muss bereit sein, seine Arbeitskraft einzubringen und Steuern zu zahlen", sagt Ingolf Reimann. „Frau Merkel hat 2015 gesagt, wir schaffen das. Und ich
sehe, wie die Krankenkassen geschröpft werden."
Steifen Marko sagt, er ärgert sich über Ausländer: nicht über die, die arbeiten, sondern über die, die das deutsche Gesundheitssystem ausnützen würden. „Sie sollen ihre Notfallbehandlung bekommen, ja, aber sie lassen sich
hier Komfortzähne machen, und der Deutsche zahlt den Beitrag. Und wenn man das Thema-anspricht, ist man ein Nazi", sagt er.
Die Europäische Union müsse ihre Außengrenzen besser schützen, so Marko. Vor zwei Jahren seien ,,massenhaft“ Menschen über die nahe polnische Grenze gekommen und vom Bundesgrenzschutz nach Cottbus oder Berlin
begleitet worden. Es gebe auch Schlepper, die schwere Autounfälle verursacht hätten.
Die Wahl der AfD ist auch eine Entscheidung gegen die Grünen und die Energiepolitik der abgetretenen Ampelregierung. Ingolf Reichmann sagt, er ist nie ein Freund der Kohle gewesen. Er selbst hat bei sich zu Hause eine
Solaranlage auf dem Dach installiert. Aber jetzt will er nicht, dass Wälder für Windräder gerodet und Felder mit Solaranlagen zugepflastert werden.
„Die Ampelregierung hat nur Schaden gemacht", sagt Reimann. Er verweist auf Europas einzige Solarglasfabrik in Tschernitz, die nur zehn Minuten entfernt liegt. Das Unternehmen kämpft nicht nur mit den Dumpingpreisen
chinesischer Solarmodulhersteller, sondern auch mit den seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine 2022 stark gestiegenen Energiekosten.
Kürzlich hat der Geschäftsführer Kurzarbeit für die kommenden Monate angekündigt.
Nicht nur für die Wirtschaft, auch für die Bürger fordert Steffen Marko günstigere Energiepreise. „Das Deutschlandticket hilft uns hier nicht weiter,
wir wollen bezahlbares Benzin, Diesel und Gas", sagt er. Der
Kohleausstieg beschäftigt ihn wegen der Vernichtung von
Arbeitsplätzen. Das Geld von Bund und EU zum Ausgleich des
Strukturwandels komme nicht im ländlichen Raum an.
Nun würde sich Steffen Marko wünschen, dass die CDU mit der AfD
im Bundestag eine Koalition bildet, auch wenn er keine große
Hoffnung habe. „Die Ignoranz der Altparteien, sich nicht mit der AfD
einzulassen, ist für mich Arroganz. Wir. sind ja nicht von
Dummsdorf, so wie das immer dargestellt
wird", sagt er.
Lars Schieske, AfD-Direktkandidat im Landkreis Spree-Neiße, wird
seit April 2024 vom brandenburgischen Verfassungsschutz als
rechtsextremistisch eingestuft. Steffen Marko sagt, er hat die Partei
und nicht die Person gewählt. Und mehr als für die Partei habe er -
wie viele im Dorf, sagt er - für Veränderungen in Deutschland
gestimmt.