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Herbert Köfer: Meine acht Thesen, warum die DDR kein Unrechtsstaat war 
In seinem Buch „Nie war es so verrückt wie immer ... - Erinnerungen” bezieht der Schauspieler, der in der DDR und im vereinigten Deutschland gleichsam erfolgreich war, klar Stellung. Er sagt, warum er gerne DDR-Bürger war, warum er sich die Erinnerungen an die DDR nicht kaputt reden lässt und bezieht in der Unrechtsstaat-Diskussionen einen festen Standpunkt. 1. Man wird die Errungenschaften der DDR leugnen Ich stelle mir bisweilen die Frage: Wie lange wird es die DDR in der Erinnerung noch geben? In ein paar Jahrzehnten wird niemand mehr da sein, der sie noch erlebt hat. Zeitzeugen gehen mit der Zeit ... Aber ist die DDR dann vergessen? Sicher nicht. Dann werden die zu Wort kommen, die die DDR nur vom Hörensagen und aus Büchern kennen. Das werden Historiker und Publizisten sein, die ihr Wissen aus zweiter Hand schöpfen. Da darf man gespannt sein. Napoleon soll gesagt haben: „Das objektive Bild der Geschichte ist die Summe der Lügen, auf die sich die Gesellschaft nach 30 Jahren geeinigt hat.“ Was die Lügen angeht - das wird bei der DDR bestimmt auch das Leugnen von Errungenschaften sein. Ich bin froh, dass mir das erspart bleibt. 2. DDR-Bürger müssen sich nicht schämen Ich war gern ein DDR- Bürger. Wenn ich nach meinen Bühnenauftritten oder nach Lesungen anschließend noch mit dem Publikum diskutiere und Fragen beantworte, dann sage ich immer, dass ich mich auch heute nicht schäme, 40 Jahre in diesem Staat gearbeitet und gelebt zu haben. Und da merke ich, wie sehr das den Menschen aus dem Herzen spricht. Das sind ganz normale Leute, die mir da Beifall zollen. Sind in der DDR aufgewachsen, haben was gelernt oder studiert, haben sich verliebt, haben geheiratet, Kinder bekommen, wurden Großeltern - und sie haben versucht, ein anständiges Leben zu führen. Hatten Wünsche, von denen sich ein paar erfüllten, und Träume, die Träume blieben. Für was sollten sie sich schämen? Weil sie sich mit ihrem Leben in diesem Staat arrangiert haben? Vielleicht bin ich als gelernter DDR-Bürger zu dünnhäutig. 3. Das Scheitern der Kommunisten Wir haben auch heute noch immer das Gefühl, uns rechtfertigen zu müssen. Im Umgang mit seinen sogenannten Gegnern und Kritikern hat der Staat den sozialistischen Gedanken vom Menschen für den Menschen oft ad absurdum geführt. Ich stelle mir immer die Frage, wie Menschen, die als Sozialisten und Kommunisten unter der Nazi-Herrschaft gelitten hatten und bereit waren, nach dem Krieg ein neues Deutschland aufzubauen, sich für das Wohl der Menschen und für den Frieden einzusetzen - wie einige dieser Leute, die ja durchaus auch beim Aufbau der vom Westen so ungeliebten DDR Großes geleistet hatten, neues Unrecht schaffen konnten. Es waren alles Männer, die in jungen Jahren für ihre Überzeugung gekämpft haben und verfolgt wurden. Um ihr Leben richtig zu bewerten, muss man ihren langen Weg berücksichtigen, den sie in all den Jahrzehnten zurückgelegt haben. Die wurden ja nicht als Täter geboren. Vielleicht hat sie ihr Scheitern dazu veranlasst, ich weiß es nicht. Ich habe 1990 einmal auf die Frage eines Reporters „Wie fühlen Sie sich jetzt, nach der Wende?“ geantwortet: „Ich fühle mich gut. Es ist leichter, ein Interview zu geben, denn man muss seine Antworten nicht zehn mal filtern wie in der Vergangenheit.“ 4. Die DDR war ein anerkannter Staat und kein Unrechtsstaat „Der Zensor im Kopf ist weg!“ - Aber heute? Wenn gesagt wird, die DDR war ein Unrechtsstaat, werde ich immer darauf entgegnen: Die DDR war ein Staat, in dem auch Unrecht geschah. Wer daraus einen „Unrechtsstaat“ macht, soll es tun. Ich möchte aber - wie Millionen Menschen aus der DDR - mir nicht sagen lassen müssen, Jahrzehnte lang in einem Unrechtsstaat gelebt zu haben. Immerhin war die DDR von mehr als 100 Ländern der Welt völkerrechtlich anerkannt. 5. Honeckers Besuch in der BRD Auch von den Amerikanern und von der Bundesrepublik. Sein Besuch in der Bundesrepublik im Jahre 1987 war für Erich Honecker sicher ein Höhepunkt. Für uns, die wir die Visite am Bildschirm verfolgten, hatte sie etwas Unwirkliches. Die DDR-Flagge, die DDR- Hymne, Honecker glücklich auf dem roten Teppich - begrüßt von einem Helmut Kohl, der ein beleidigtes Gesicht machte. Aber das spielte in diesem Augenblick keine Rolle. Und die ganzen Wirtschaftsbosse der Bundesrepublik standen Schlange, um mit dem Gast aus der DDR fotografiert zu werden. Mit dem höchsten Repräsentanten eines „Unrechtsstaates“, wie man heute sagt ...
Herbert Köfer: „Ich war gerne DDR-Bürger“
Star–Interview: Herbert Köfer *weiter*
Herbert Köfer (rechts) und Hans-Joachim Preil spielen einen Und auch ein erfolgreicher Schriftsteller Köfer war von Anfang an ein prägendes Gesicht des DDR-Fernsehens: 1952 verlas er dort die ersten Nachrichten – in der "Aktuellen Kamera". Auch bei der letzten Sendung an Silvester 1991 war er dabei. Der Mime spielte in DEFA-Filmen wie "Nackt unter Wölfen"
20.41 Uhr:Schauspieler Herbert Köfer mit 100 Jahren gestorben Er stand noch mit fast 100 Jahren auf der Bühne. Herbert Köfer, einer der bekanntesten Schauspieler der DDR und auch nach dem Mauerfall erfolgreich, ist am Samstag im Alter von 100 Jahren gestorben. Das teilte seine Witwe Heike Köfer am Sonntagabend der Deutschen Presse-Agentur mit. Der gebürtige Berliner stand rund 80 Jahre auf der Bühne. Er war Theater- und Filmschauspieler , Moderator und Synchronsprecher . Vor allem in seiner Paraderolle als Opa Paul Schmidt in der DDR- Fernseh-Serie "Rentner haben niemals Zeit" spielte er sich in die Herzen der Zuschauer. Köfer war von Anfang an ein prägendes Gesicht des DDR- Fernsehens: 1952 verlas er dort die ersten Nachrichten – in der "Aktuellen Kamera". Auch bei der letzten Sendung an Silvester 1991 war er dabei. Der Mime spielte in DEFA-Filmen wie "Nackt unter Wölfen" (1963) mit und nach der Wende in beliebten TV- Serien wie "In aller Freundschaft", "SOKO Leipzig" oder "Ein starkes Team". "Ich lebe mit jeder Vorstellung, jeder Lesung und jedem Tag, an dem ich spiele auf", hatte er selbst sein Lebenselixier beschrieben, aus dem er Kraft und Energie schöpfte. Die Arbeit halte ihn jung, hatte er immer wieder betont.
Herbert Köfer
VideoWeb Studio TSCHERNITZ Interview: Herbert Köfer